Gehege

Februar 2011

Novelle Fauverie, Raubtierhaus der Menagerie des Plantes in Paris, Frankreich

Als Architekt des Gebäudes zeichnet sich René Berger (22.06.1878 - 16.03.1954) verantwortlich. Für das Pariser Muséum national d'histoire naturelle hatte er bereits Gewächshäuser entworfen. Das Neue Raubtierhaus kann als Abschluss einer Modernisierung der Menagerie des Plantes gesehen werden. Bereits 1929 wurde ein neues Vivarium eröffnet, dem 1934 das Affenhaus (Singerie) folgte. Mit diesem Haus wurde das alte Raubtierhaus von 1821 ersetzt.

Raubtierhaus

Raubtierhaus Der Grundstein wurde 1934 gelegt und 1937 eröffnete der Bau. Den Anstoss zum Neubau gab der 1931 eröffnete Zoo de Vincennes im Osten der Metropole. In seiner Gestaltung passt das Gebäude in das altehrwürdige Ensemble des ältesten Bürgerzoo der Welt. Die Menagerie wurde infolge der Revolution 1794 geschaffen, als die Franzosen sich ihres Monarchen entledigten und beschlossen, dass auch der Löwe nicht mehr König der Tiere sein solle!

So sollte er allerdings auch nicht enden! Raubtierhaus


Der Innenraum stellt den Menschen ins Zentrum. Die Architektur huldigt die Idee der klassischen Menagerie. Die Innenanlagen wurden im Halbkreis um den grossen Besucherraum angeordnet. Insgesamt säumen die Halle sieben solcher Teilanlagen.

Raubtierhaus Anlässig der jüngst begonnenen Restaurierung des Gebäudes wurden drei dieser Anlagen wiederhergestellt. Neben einem kleineren Absperrgehege besteht ein Trakt aus einem weiteren grösseren Bereich.
Ohne die historische Bausubstanz anzugreifen, wurde durch eingebaute Kletterhölzer der nutzbare Raum der Tiere vergrössert. Diese Anlage beherbergt gegenwärtig Nebelparder.

Raubtierhaus Die beiden weiteren Anlagen werden gegenwärtig von Schnee- und Chinesischen Leoparden bewohnt. Die noch nicht rekonstruierten Bereiche wurden mit grünen Stoffbahnen verhüllt. Rückwärtig bestehen noch zwei kleinere Vitrinen, die mit Reptilien oder Kleinsäugern besetzt werden.

Raubtierhaus Analog des Einganges besteht ein spiegelgleicher Ausgang. Sowohl im Innen-, wie im Aussenbereich finden wir eine Reihe reliefartiger Raubtierdarstellungen.
Zur Strassenseite entlang der Seine finden wir die Schmuckseite des Gebäudes mit weiteren Reliefen, die auf einen ursprünglichen Besatz hinzeigen könnten!
Raubtierhaus

Raubtierhaus Die Aussenanlagen beginnen zu den beiden Breitseiten mit je einer geraden Gitterfront. Um die Gefängnisassoziation durch Eisenstäbe beim Besucher zu mildern, wurden bereits vor einigen Jahren diese im unteren Bereich durch Plexyglasfenster ersetzt. Im oberen Bereich war anlässlich des Umbaus der Einsatz von Edelstahlnetzen beabsichtigt. Hier dürfte allerdings der Denkmalschutz sein Veto eingelegt haben!
Diesem geraden Käfig folgt ein leicht geschwungener, ebenfalls zu beiden Seiten des Hauses. Beide Anlagen wurden zu einer zusammengelegt!

Raubtierhaus Die Frontseite besteht aus drei stärker geschwungenen Aussenkäfigen.

Raubtierhaus Während man links den aktuellen Zustand sieht, ist unten die Scheeleopardenanlage wärend der Renovierung zu sehen. Die Chinesischen Leoparden verblieben als einzigste Katzen wärend der Schliessung in der Fauverie und züchteten in dieser Zeit auch!

Raubtierhaus Wenn die restlichen Anlagen fertiggestellt werden, sollen zwei weitere Katzenarten in den Zoo zurückkehren! Vor dem Umbau lebten hier neben China- und Schneeleoparden Puma, Jaguar und ein Panther:



Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.


Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.


Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke - Neue Gedichte (Erster Teil - 1907)



Autor: Locke