Gehege

März 2011

Tibetanische Haustieranlage des Naturschutz-Tierparks Görlitz, Deutschland

Mit der verst√§rkten Orientierung auf Asien reifte im Naturschutz-Tierpark G√∂rlitz der Aufbau eines Tibetanischen Dorfes. Weniger als regionaltypische Kulisse f√ľr exotische Tiere gedacht, sollen die Bauten helfen die Kultur dieser mysthischen Region Innerasiens den Besuchern n√§her zu bringen.
Ab 2005 begann der Aufbau authentischer Kopien tibetanischer Bauten. Die Originale findet man bei den Khampa in der Region √∂stlich von Dartsedo. In der Vorbereitung reisten mehrere Zoomitarbeiter in diese Region um Bauart und Verarbeitungen dortiger Geb√§ude, aber auch Lebensweisen, Sitten und Gebr√§uche der dortigen Menschen und nat√ľrlich die dort vorzufindenden Tiere kennenzulernen. Die gewonnene Erfahrungen wurden in die Gestaltung des Ensembles in Deutschlands √∂stlichster Stadt mit eingebracht.
Zum 50. Geburtstag des Tierparks am 18. August 2007 wurde die Tibetanische Haustieranlage eröffnet.

Tibet In der Umgebung finden sich zahlreiche Accessoires, die den Besucher auf dieses Thema einstimmen sollen. Hier sehen wir eine wassergetriebene Gebetsm√ľhle. Im tibetischen Buddhismus werden Gebetsm√ľhlen gedreht, um k√∂rperliche Aktivit√§t und geistig-spirituelle Inhalte miteinander zu verkn√ľpfen. Ein langes drehen verspricht ein langanhaltendes gutes Karma! Gleichfalls eine religi√∂se Bedeutung haben die Gebetsfahnen inne. Es sind heute im Buddhismus √ľbliche F√§hnchen, die von den Gl√§ubigen bis zur vollst√§ndigen Verwitterung dem Wind ausgesetzt werden. Nach ihrem Glauben tragen sie die Gebete in dem Himmel.

Tibet Passend zur exotischen Architektur wurde im Bereich des Besucherpodestes eine Gehegeeinfassung aus Natursteinen und -h√∂lzern gestaltet. Die besucherseitige Bepflanzung wirkt zus√§tzlich sehr angenehm auf das Betrachterauge. R√ľck- und nebenseitig fanden zur Gehegebegrenzung auch Wildgatterz√§une aus Edelstahl Anwendung. Teilweise wurden diese jedoch mittels Naturholz√§ste kaschiert. Zugest√§ndnisse an europ√§ische Bauverordnungen und Auflagen mussten in der Bauausf√ľhrung der H√§user gemacht werden. Es gelang jedoch, diese vor den Betrachter gekonnt zu verbergen.

Tibet Auff√§llig ist die Fassadengestaltung mit den ausladenden Fensterrahmen, den verzierten Hausecken und den buntbemalten H√∂lzern. Der gr√∂sste Teil der Geb√§ude wurde massiv mittels Natursteine aufgemauert. Gelegentlich musste die originale Kunstfertigkeit deutschen Bauvorschriften hintenan geordnet werden. Der Optik bereitete dies keine Abstriche. Kompromisse gab es bei der D√§mmung und Dachdeckung. Dies ist der Stall f√ľr die Hausyaks und Kaschmirziegen. Er wurde am 21. Mai 2006 als erstes Geb√§ude des Dorfes von den neuen Nutzern bezogen. Wenngleich die Kaschmirziege den Namen einer pakistanischen Region tr√§gt, stammt sie urspr√ľnglich aus dem Tibet. Ihre dicke weiche Wolle ist eine Anpassung an die rauen Wetter auf dem Dach der Welt. Deren Wolle wurde allerdings in Kaschmir verwoben und weiterverarbeitet. Der Yak ist ein weiteres typisches Haustier dieser Bergregion. Er liefert den Menschen Milch, Fleisch, Leder und Wolle. Er wird zudem als Last- und Reittier genutzt, dessen Kot dient zudem als Brennmaterial. W√§rend der Wildyak heute am Rand der Ausrottung steht, erfreut sich sein domestizierter Vetter inzwischen auch in anderen Teilen der Welt grosser Beliebtheit.

Tibet Hier sehen wir die Besucherseite des Trampeltierstalles als Teil eines Strassenzuges. Es wurde als drittes Geb√§ude am 18. August 2007 als Komplettierung des Ensembles er√∂ffnet. Die Mauer verbirgt die Vor- und Absperrgehege. Allerdings ist die Besetzung dieser Anlage ein Kompromiss, da die dargestellte Region keine Trampeltiere beherbergt. Da diese Kamelform in anderen Landesteilen mit W√ľstensteppen zu finden ist, fanden sie dennoch Einzug in diesen Komplex. Weder Tiere noch Besucher d√ľrften sich daran wirklich stossen!

Tibet G√§nzlich anders und dennoch zur dargestellten Region passend gestaltet sich diese Bauweise. Es ist die Besucherseite des Yakhauses. Keines der Tierh√§user ist begehbar. Um unbefugtes Dachbeklettern zu unterbinden, wurde die Steigleiter zum Kontostandsanzeiger f√ľr das Projekt. F√ľr europ√§ische Augen etwas schwer entzifferbar sind die Manisteine. Diese hier wie Gedenkplatten angeordnet, wurden in tibetanischen Schriftzeichen, den sogenannten "Om mani padme hum", den zahlreichen Projektsponsoren gewidmet. Ohne die vielen Hilfen √∂rtlicher Betriebe w√§re die Idee kaum umsetzbar gewesen!

Tibet Ein Hochstand erlaubt den Besucher noch einen r√ľckw√§rtigen Einblick in diese Anlage. Neben den bereits genannten Tieren leben hier auch Rost- und Streifeng√§nse. Die Reisighaufen lassen die Anlage etwas kleiner wirken, als sie in Wirklichkeit ist!

Mit Er√∂ffnung des f√ľnften Geb√§udes am 23.August 2009 und dem Tibetanischen Kleintierhaus am 08. August 2010 ist das Dorf nun komplett. Im j√ľngsten Bau, ein Wohnhaus, wurde die Ausstellung zum Leben der dortigen Menschen eingerichtet! Im Gegenzug unterst√ľtzt der Naturschutz-Tierpark F√∂rderprojekte auf dem Dach der Welt! Weiterhin geh√∂ren zum Komplex eine Stachelschweinanlage in einem verfallenene Haus, ein Schweinehaus und eine Freilufttoilette aus lehmverkleideten Birkenreisig!


Autor: Locke